. .

08.11.10

Patient aus Sachsen, Prothese aus Australien

Abschied nach erfolgreicher OP: Roland Epperlein und Schwester Rebecca Geis.
  • HELIOS William Harvey Klinik setzt speziell angefertigte Gefäßschienen in der Behandlung des Bauchaortenaneurysmas ein

 

 

Mehr als 400 Kilometer reiste Roland Epperlein von Lugau im Erzgebirge nach Bad Nauheim in die HELIOS William Harvey Klinik, um sich wegen einer Aussackung (Aneurysma) der Körperhauptschlagader (Aorta) behandeln zu lassen. Nicht nur die Aorta selbst war betroffen, auch die beiden Seitenäste zu den Nieren mündeten in das Aneurysma. Das gefäßchirurgische Team um Chefarzt Dr. med. Thomas Umscheid setzte dem 73-Jährigen per Katheter eine sogenannte gefensterte Gefäßschiene ein, die eigens für ihn in Australien angefertigt wurde. Sie überbrückt nicht nur die Aussackung, sondern erhält über exakt positionierte Öffnungen (Fenster) auch die Nierendurchblutung. Die HELIOS William Harvey Klinik gehört zu den wenigen Gefäßzentren in Deutschland, die solche Spezialeingriffe durchführt – insgesamt 15 Mal in den letzten beiden Jahren. Auch bei Roland Epperlein verliefen der Einsatz des Stents und die Nachbehandlung erfolgreich: Bereits nach weniger als einer Woche konnte er die Klinik wieder verlassen, um nach Lugau zu seinen fünf Enkelkindern zurückzukehren. „Ich habe mich in der Klinik stets bestens betreut gefühlt“, so der Patient zum Abschied.

 

Das Bauchaortenaneurysma hatte Herr Epperleins Hausarzt im August dieses Jahres bei einer Routinekontrolle entdeckt. Die 75 Millimeter weite Aussackung (normal sind etwa 25 Millimeter) alarmierte die Gefäßchirurgen im HELIOS Klinikum Aue, bei denen sich der Patient zur weiteren Behandlung vorgestellt hatte. Denn bereits ab 50 Millimeter besteht die Gefahr, dass die Aorta platzt und der Patient innerlich verblutet. Da die Aussackung auch die beidseitigen Abgänge der Nierenschlagadern einbezog, musste ein Weg gefunden werden, die Hauptschlagader zu stabilisieren und zugleich die Nierendurchblutung zu erhalten. Eine Operation sollte dabei möglichst vermieden werden, da das Risiko für den Patienten angesichts seiner Vorerkrankungen an Herz und Lunge hoch war. Ziel war es daher, eine spezielle Gefäßschiene (Stent) über einen Katheter einzusetzen. Da es sich bei diesem schonenden Verfahren um einen besonderen Eingriff handelt, den nur wenige Zentren in Deutschland durchführen, verwiesen die Ärzte des HELIOS Klinikums Aue den Patienten an die HELIOS William Harvey Klinik Bad Nauheim.

 

 

Hier setzte das gefäßchirurgische Team um Chefarzt Dr. med. Thomas Umscheid dem Patienten aus Sachsen Ende Oktober eine sogenannte gefensterte (fenestrierte) Aortenprothese über die Leiste ein. Die „Fenster“ in der Gefäßschiene lassen das Blut zu den Nierenarterien durchtreten, der Rest des röhrenförmigen Stents überbrückt die Aussackung und stützt die Aorta. Damit die Fenster exakt in der richtigen Position sitzen, wurde die Prothese eigens für den Patienten in Australien hergestellt. Mit dem Stent gelang es den Bad Nauheimer Gefäßchirurgen, das Aneurysma zu entschärfen und die Nierenfunktion zu erhalten.

 

Das Team der HELIOS William Harvey Klinik hat in den letzten zwei Jahren über 180 Patienten mit Aortenaneurysma erfolgreich behandelt. Die Stentmethode hat ein wesentlich geringeres Risiko als eine Operation. Mit ihr ließ sich die Überlebensrate der Patienten deutlich verbessern. Gerade bei Patienten, bei denen Seitengefäße der Aorta betroffen waren, lag die operative Sterblichkeit früher hoch, in der HELIOS William Harvey Klinik beträgt sie mit der Stentmethode null. Vor allem ältere Patienten und solche mit Vorerkrankungen profitieren von dem Verfahren. Es kommt ohne Bauchschnitt aus, denn die Gefäßchirurgen führen die Prothesen über die Schlagadern in den Leisten ein. Allerdings sind ein erheblicher Materialaufwand und eine differenzierte Logistik notwendig. Eine Grundvoraussetzung, um solche Eingriffe durchzuführen, ist eine sogenannte Angiosuite im Operationssaal, das heißt eine hochwertige Röntgenanlage im sterilen Umfeld. In einem derart ausgestatteten Operationssaal lassen sich wahlweise offene Gefäßoperationen oder Eingriffe mittels Katheter durchführen. In der HELIOS William Harvey Klinik wurde eine Angiosuite vor zwei Jahren als eine der ersten in Deutschland eingebaut. „Die Anlage ermöglicht hochspezielle Eingriffe ohne große Schnitte“, so Doktor Umscheid. „Gerade in Notfällen und bei Risikopatienten lässt sich so die körperliche Belastung der Patienten in Grenzen halten.“

 

 

Die HELIOS William Harvey Klinik Bad Nauheim ist eine Gefäßfachklinik mit 86 Betten, spezialisiert auf die interdisziplinäre Akutbehandlung von Krankheiten der Arterien und  Venen. Jedes Jahr vertrauen sich mehr als 15.000 Patienten mit Krampfaderleiden, Arterienverschlüssen, Aneurysmen, entzündlichen Gefäßerkrankungen und Lymphödemen der Klinik und ihrer Ambulanz an. Die Patienten kommen aus dem ganzen Bundesgebiet. Die Klinik ist zertifiziertes Gefäßzentrum der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie.

 Die HELIOS William Harvey Klinik Bad Nauheim ist ein Haus der HELIOS Kliniken Gruppe. 

Zur HELIOS Kliniken Gruppe gehören 61 eigene Kliniken, darunter 42 Akutkrankenhäuser und 19 Rehabilitationskliniken. Mit fünf Maximalversorgern in Berlin-Buch, Erfurt, Krefeld, Schwerin und Wuppertal nimmt HELIOS im deutschen Klinikmarkt eine führende Position bei der Privatisierung von Kliniken dieser Größe ein. Darüber hinaus hat die Klinikgruppe 24 Medizinische Versorgungszentren (MVZ) und vier Seniorenresidenzen. HELIOS ist damit einer der größten Anbieter von stationärer und ambulanter Patientenversorgung in Deutschland und bietet Qualitätsmedizin innerhalb des gesamten Versorgungsspektrums. Sitz der HELIOS Konzernzentrale ist Berlin.