Durch die umfassende Dokumentation behandlungsrelevanter Merkmale können Veränderungen der Struktur-, Prozess-, und Ergebnisqualität über die Jahre abgebildet werden - Schaubild.
90% der Patientencharakteristika (108 von 120 Variablen) blieben über die Jahre stabil (näheres: Mestel & Klingelhöfer, 2004). Beobachtet wurde ein signifikanter Rückgang des Anteils an Abiturienten (1993: 56%, 2003: 46%), ein kontinuierlicher Anstieg deer prozentualen Arbeitslosenzahl (1993: 7,1; 2003: 16,9%), weniger Selbsthilfegruppenkontakte vor Therapie (1993: 77%; 2003: 27%) ebenso wie eine zunehmend regionalere Belegung (Bayern; Baden Württemberg: 60% vs. 51%). Im Bereich der Diagnosen wurden zunehmend weniger psychosomatische Erkrankungen im engeren Sinne vergeben (1993: 19,5%; 2003: 6,5%), weniger Persönlichkeitsstörungen (1993: 45%; 2003: 28%), dagegen wurden mehr Depressionen (1993: 37%; 2003: 75%), Posttraumatische Belastungsstörungen (1993: 8,2%; 2003: 20%) und Borderline-Störungen (1993: 8,2%; 2003: 15,4%) diagnostiziert. Zuletzt kann auch ein signifikant gestiegener Beeinträchtigungs-Schwere-Score (bundesweit verbreitete Skala zur Einschätzung der Schwere der durch psychosoziale Faktoren beeinflussten Symptomatik) und ein zunehmend geringeres Strukturniveau nach der Operationalisierten Psychodynamischen Diagnostik festgehalten werden.
Von den Merkmalen, die mit der Durchführung der Behandlung in Zusammenhang stehen, blieben von 61 gemessenen Variablen 50 stabil (82%). Deutlich wurde eine kontinuierliche Abnahme der Aufenthaltsdauer (1993: 93,5 Tage, 2003: 52,3 Tage), eine häufigere Aufrechterhaltung oder Ansetzung von Antidepressiva (1998: 48%; 2003: 59%), eine zunehmende Belegung durch die BfA (von 34% 1993 auf 55% 2003) und eine damit korrespondierende geringere Belegung durch Ersatz- und Privatkassen (1993: 47,7%; 2003: 22,2%). Die deutlichsten Veränderungen ergaben sich hinsichtlich der Beurteilung der einzelnen Behandlungsangebote dahingehend, wie hilfreich sie am Ende der Therapie eingestuft wurden. An Bedeutung verloren folgende Komponenten der Behandlung: “Patientenversammlung”, “Kerngruppe”, “Leben in der Gemeinschaft”, “Selbsthilfegruppen”, “Spirituelle Veranstaltung”, “Naturheilkunde”, “Emotionale Körpertherapie” und “Kreativtherapie”. Begründet werden könnte dieser Bedeutungsverlust mit den gesunkenen Aufenthaltszeiten und der damit einhergehenden geringeren “Idealisierung” der Klinik bzw. deren Behandlungskomponenten. Die meisten der genannten Therapieangebote wurden als hilfreich oder sehr hilfreich eingestuft.