. .

Beurteilung der Behandlungsergebnisse

Patientenzufriedenheit
Über alle Teilaspekte der Patientenzufriedenheit (ZUF-8 Fragebogen) waren etwa 90% der Patienten mit der Behandlung zufrieden (Abb. 9). Während 17% damit unzufrieden waren, dass sie nicht die Behandlung erhielten, die sie gewollt haben (Frage mit der höchsten Unzufriedenheit), hat die Behandlung 96% dabei geholfen, angemessener mit ihren Problemen umzugehen (Frage mit der höchsten Zufriedenheit).
Abb. 9: Zufriedenheit mit der Behandlung (Patienten-Kohorte: 1. Halbjahr 2004; n=339)

 

Besserungseinschätzungen bei Behandlungsende
Etwa 80% der Patienten gaben bei Behandlungsende im Vergleich zum Zeitraum seit Behandlungsbeginn eine Verbesserung in folgenden Bereichen an (Abb. 10): Einstellung gegenüber der Zukunft, Möglichkeit zu Eigenaktivität, psychisches Befinden, Krankheitsverständnis, seelisches Wohlbefinden, Selbstwerterleben, körperliches Befinden. Seltener waren, wie in vergleichbaren stationären Einrichtungen, Verbesserungen der sozialen Probleme (21%) und der Beziehungen zu wichtigen Personen im Privatbereich (51%) und im beruflichen Bereich (21%). Diese geringen Verbesserungsquoten sind auf die Entfernung zum Wohnort mit dem entsprechendem Herausgerissensein aus familiären und beruflichen Bezügen zurückzuführen.
Abb. 10: Patienteneinschätzung von Veränderungen in verschiedenen Bereichen bei Behandlungsende (n=339; 1. Halbjahr 2004)

 

Einschätzungen der Beeinträchtigungsschwere vor und nach Behandlung durch die Therapeuten
Während der Beeinträchtigungsschweregrad zu Therapiebeginn bei 76% aller Patienten für eine ausgeprägte psychische Störung spricht (BSS-Summe > 6), trifft dies in der letzten  Therapiewoche nur noch auf 18% zu (Abb. 11). Die Verteilung bei Therapieende nähert sich stark der Verteilung einer zufällig gezogenen Stichprobe einer unbehandelten Stadtbevölkerung an (Manual des Beeinträchtigungsschwere-Scores; Schepank 1995).
Abb. 11: Häufigkeitsverteilungen für den Beeinträchtigungsschwere-Score für drei Stichproben (prä-Kohorte 1998-2003: n=4750; Kohorte Therapieende 2002-2003: n=1457; Gesundenstichprobe: BSS-Manual, Schepank 1995)

 

Veränderung des Erlebens und Verhaltens
Gut drei Viertel (77%) der Patienten schildern bei Therapieende im Vergleich zum Anfang eine statistisch signifikante Zunahme an Entspannung, Gelassenheit und Optimismus im Fragebogen zur Veränderung des Erlebens und Verhaltens (VEV-K; Abb. 12). 17% geben in diesen Bereichen keine Änderung an und 6% eine signifikante Verschlechterung. Um Irritationen vorzubeugen, wird darauf hingewiesen, dass sich in den allermeisten Psychotherapiestudien mit großen Stichproben während Psychotherapien etwa 3 bis 10% der Patienten verschlechtern (Mestel, Fischer, Klingelhöfer & Plaum, 2004).
Abb. 12: Patienteneinschätzung bei Therapieende zur Veränderung des Erlebens und Verhaltens seit Therapiebeginn (Kohorten 1993-2003; n=6990)

 

Rückgang der Depressionsschwere
Mehr als zwei Drittel der Patienten werden als depressiv diagnostiziert. Während zu Therapiebeginn nach Selbstauskünften mit dem weltweit verbreitetsten Instrument zur Erfassung der Depressionsschwere etwa nur 18% der Patienten keine Depression aufwiesen und 25 bis 30% eine mehr oder weniger starke Depression (Abb. 13), so zeigten sich bei Therapieende immerhin 50% depressionsfrei, und nur noch 8% wiesen eine schwere Depression auf. Diese günstigen Quoten bei Entlassung aus der Klinik ließen sich für die allermeisten Patienten 1 bis 3 Jahre nach der Behandlung halten (siehe Mestel et al., 2000).
Abb. 13: Rückgang der Depressionsschwere von Therapiebeginn über Therapieende und 1-3 Jahre danach (Kohorten 1993 – 2003; n=6927; Nachuntersuchung: n=514 aus der Kohorte 1996-1999)

 

Abb. 14: Rückgang der Depressionsschwere von Therapiebeginn nach Therapieende (Kohorten 1993 – 2003; n=6786; Erläuterungen: Klinisch relevant gebessert: Statistisch signifikante Verbesserung der Depression und am Ende nicht mehr depressiv; gebessert: Statistisch signifikante Verbesserung der Depression und am Ende noch depressiv; verschlechtert: Statistisch signifikante Verschlechterung der Depression)

 

Nach einer anderen modernen (für die Klinik konservativen) wissenschaftlichen Berechnungsart kann der Verlauf der Depressivität der fast 7000 Patienten von 1993 bis 2003 wie folgt klassifiziert werden (Abb. 14): Während 17% zu keinem Messzeitpunkt Anzeichen einer Depression aufwiesen, waren von denen, die anfangs depressiv verstimmt waren, am Ende 52% statistisch signifikant gebessert, 29% unverändert und 2% signifikant verschlechtert. Von den 52% Gebesserten waren etwa 70% so stark verbessert, dass sie bei Therapieende als klinisch relevant gebessert ("geheilt“) angesehen werden konnten. Sie hatten keine Depression mehr.

 

Allgemeine Wirksamkeitseinschätzungen über alle psychischen und körperlichen Probleme ergaben das Bild (Abb. 15), dass die Erfolgsquoten aus Patientensicht im Bereich körperlicher Befindensveränderungen bei 67% lagen, aus Therapeutensicht bei 80%; im psychischen Bereich aus Patientensicht bei 74%, aus Therapeutensicht bei 88%. Die Therapeuten sehen den Therapieerfolg folglich, einhergehend mit den meisten Studien der Literatur, günstiger im Vergleich zu den Patienten.
Abb. 15: Globale Therapeuten- und Patienteneinschätzungen des Therapieerfolgs bei Therapieende (Kohorten 1993 – 2003; n=5254)

 

Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit
Von allen Patienten der Jahre 1998 bis 2003 lagen 4118 vollständige Datensätze zur Arbeitsfähigkeit vor (Abb. 16). Von dieser Gruppe war gut die Hälfte (56%) erwerbstätig, die übrigen waren arbeitslos, Schüler, Auszubildende, Hausfrauen, Rentner etc. Von diesen Erwerbstätigen waren nach Eigenauskunft der Patienten zu Therapiebeginn 48,2% arbeitsfähig, 51,8% waren arbeitsunfähig krankgeschrieben oder krank (Selbständige). Bei Therapieende blieben die allermeisten (87,4%) arbeitsfähig, 12,6% wurden arbeitsunfähig. Von den zu Beginn arbeitsunfähigen Patienten waren bei Therapieende 96,5% erfolgreich im Sinne der Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit rehabilitiert, 3,5% blieben unvermindert arbeitsunfähig.
Abb. 16: Angaben zur Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit (Kohorten 1998 – 2003; n=4118)

 

Auf die Gesamtgruppe der Erwerbstätigen bezogen (Abb. 17) blieben 42% nach wie vor arbeitsfähig, 6% wurden während der Reha arbeitsunfähig, 2% bleiben unvermindert arbeitsunfähig und 50% sind inzwischen wieder arbeitsfähig.
Abb. 17: Zusammenfassung der Ergebnisse zur Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit der Erwerbstätigen (Kohorten 1998-2003; n=2307)