HELIOS Klinik Bad Grönenbach

Klinikseelsorge

Im therapeutischen Konzept der Klinik findet auch die religiös/spirituelle Dimension des Lebens respektvolle Aufmerksamkeit, denn der Klinikalltag zeigt deutlich, dass viele Menschen diese Perspektive gerade in der Bewältigung ihrer Erkrankung als bedeutsam erfahren. In einer globalisierten Welt hat sich der Umgang mit Religion/Glaube/Spiritualität auch in unserer Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten sehr vervielfältigt. Die Bandbreite von Religions- und Glaubensformen ist schier unüberschaubar geworden. Spiritualität hat sich als Bezeichnung dieser Dimension des Lebens herausgebildet. Unter Verwendung dieses Wortes Spiritualität versucht man nun, sich in und über diese vielfältigen Formen und deren Bewandtnis für Genesung und Erkrankung irgendwie zu verständigen. Deshalb wird es auch hier in der Klink verwendet.

 

In der therapeutischen Arbeit können spirituelle Fragestellungen mit unterschiedlichster Herkunft und Ausrichtung aufkommen. Einige Beispiele können dieses Feld ein wenig verdeutlichen:

  • Die religiöse Dimension des Lebens war aus verschiedensten Gründen bislang bei manchen nicht thematisiert. Nun kommt man z.B. durch die Begegnungen mit MitpatientInnen oder die Erfahrungen in den anonymen Selbsthilfegruppen damit in Kontakt, und es beginnt eine Auseinandersetzung um die Frage nach der eigenen Spiritualität, dem eigenen Glauben, der Höheren Macht; je nachdem wie man das für sich begreift.
  • Auf der Suche nach den Wurzeln der eigenen Erkrankung gerät die religiöse Sozialisation in den Blick und man entdeckt möglicherweise darin Stützpfeiler aktueller Schwierigkeiten. Daraus ergibt sich die Beschäftigung mit dem eigenen religiösen Werdegang, möglicherweise auch die Frage nach der Verquickung von Gewalt und Religion.
  • Während der Therapie wird das Ausmaß des Unrechts deutlich, das einem angetan wurde und welche Folgen es zeitigte. Zudem hat man in den erfolgten Bewältigungsversuchen und Verstrickungen oft auch sich selbst und anderen Schaden zugefügt. Es stellen sich Fragen nach Verantwortung, Wiedergutmachung, Schuld und Vergebung.
  • Es entsteht die Ahnung, dass zur Stabilisierung des eigenen Lebensweges eine spirituelle Verwurzelung wichtig ist, und es beginnt die Suche nach einem Zugang zu dieser Dimension.
  • Man kommt mit relativ klaren religiösen/spirituellen Überzeugungen hierher und steht vor der Herausforderung, ob oder wie sich diese mit den Erlebnissen und Veränderungen in der Therapie fruchtbar verbinden lassen, wie die eigene Spiritualität als Ressource im Therapieprozess dienen kann.

 

Im konkreten Therapiealltag findet das Thema Spiritualität unter anderem Resonanz in der Zusammenarbeit mit den Selbsthilfegruppen der Anonymen Selbsthilfebewegung (A-Gruppen), die den Genesungsweg als spirituellen Weg bezeichnen.

 

Darüber hinaus wird in der wöchentlich stattfindenden Spirituellen Gruppe als Anregung zur eigenen Ortsbestimmung ein Inhalt aus einer spirituellen Tradition mit den Therapiethemen in Verbindung gesetzt.

 

Ein weiteres Angebot stellt die Klinikseelsorge dar. Sie bietet in diesem weiten Bereich einen Gesprächsbeitrag auf dem Boden der christlichen Tradition an. Dieses Angebot gilt selbstverständlich auch Angehörigen anderer Konfessionen und Religionen. Auch Menschen, die sich als nicht-gläubig oder a-religiös bezeichnen, können hier das Gespräch darüber aufnehmen. Die Seelsorge bringt Sichtweisen christlicher Spiritualität in diesem Austausch mit ins Gespräch und bietet ihre Hilfe auf der Suche nach konstruktiven Perspektiven für eine Auseinandersetzung mit den Erfahrungen von Sucht, Depression, Suizidalität, Gewalt, Angst, Zwang, etc. an.

 

Die Klinikseelsorge wird von der Diözese Augsburg getragen und finanziert. Sie entfaltet ihre Tätigkeit daher auch auf dem Hintergrund des diözesanen Leitbildes der Krankenhausseelsorge. Dieses benennt als Grundlage der Klinikseelsorge "den Glauben an die göttliche Berufung des Menschen zur Menschwerdung. Dies in der besonderen Situation der Krankheit zu erschließen, zum Ausdruck zu bringen, zu wahren und zu fördern ist der Grundauftrag seelsorglicher Tätigkeit." (aus dem Leitbild der Krankenhausseelsorge in der Diözese Augsburg, 3)

 

Dabei findet die Verwendung biblischer und literarischer Texte in kreativer Weise Berücksichtigung. Daneben kommen u.a. auch Ansätze aus der Integrativen Leib- und Bewegungstherapie, der Pastoralpsychologie und der geistlichen Begleitung zum Einsatz. Dies geschieht in Form von Einzelberatung und verschiedenen Gruppenveranstaltungen. Nähere Angaben zu den Angeboten finden Sie während Ihres Klinikaufenthalts in dem Faltblatt der Klinikseelsorge, das an der Rezeption erhältlich ist. 

 

Klinikseelsorger:  
Reiner Fuchs
Diplom Theologe, kath. Pastoralreferent
Integrative Leib und Bewegungstherapie (DGiB, DGfP) 
Psychotherapie (HPG) 
Telefon (08334) 981-130

 

Literatur:

  • R. Fuchs, M. Sellmann, S. Bell-D’Avis (Hg.), Inmitten von Scham, Gewalt und Angst, Theologische Fundierungen der Suchtkrankenpastoral, Würzburg, Echter Verlag 2006


Über uns