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Behandlungskonzept

Krankheitsbegriff
Gesund ist ein Mensch dann, wenn er mit sich selbst körperlich, seelisch und geistig in Einklang ist, zu anderen Menschen befriedigende Beziehungen unterhält und in seinem Leben einen Sinn sieht (in Anlehnung an die Definition der Weltgesundheitsorganisation – WHO). Bestehende Krankheitsfolgen oder Behinderungen können in das Selbstbild integriert werden.

 

Psychosomatische Krankheit ist eine Kombination aus medizinisch erklärbarem Leiden, körperlicher Befindlichkeitsstörung und seelischem Leiden als Folge chronischer, nicht bewusster Konflikte. Die Symptome können sowohl seelische als auch körperliche sein. Psychische und psychosomatische Erkrankung wird genährt durch das Missverhältnis zwischen den erlernten Möglichkeiten eines Menschen, die Welt zu gestalten, und den Anforderungen, welche die Umwelt täglich an ihn stellt. In der Krankheit drückt sich oft auch das Leid einer in ihrer gegenseitigen Beziehung gestörten Gruppe aus (z.B. Familie, Freundeskreis, Arbeitsplatz). Krankheitsverstärkend wirken falsche Ernährung, missbräuchliche Einnahme von Genussgiften, falsche Schlafgewohnheiten und zu wenig Bewegung.

 

Rehabilitation
Während die kurative Medizin (Akutmedizin) die vollständige Wiederherstellung der Gesundheit zum Ziel hat, konzentriert sich die psychosomatische Rehabilitation bei Menschen mit schon länger bestehenden Erkrankungen auf die Stärkung und bestmögliche Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit im Alltag und Berufsleben sowie die Linderung von Krankheitsfolgen. Grundlage ist das Krankheitsfolgemodell der WHO, in dem Funktionsstörungen und soziale Beeinträchtigungen bei chronischen Krankheiten beschrieben werden. In der Psychosomatik kann z.B. eine schwere Depression zu Verlust von Selbstvertrauen, kommunikativen Fähigkeiten und Belastbarkeit führen (so genannte Funktionsstörung) und damit zu sozialer Isolation und Arbeitsplatzverlust (soziale Beeinträchtigung). Im Unterschied zur Akutbehandlung umfassen die Therapieziele daher nicht nur ein verbessertes Krankheitsverständnis und eine Besserung der Symptome, sondern auch Hilfestellung bei der sozialen und beruflichen Reintegration.
Psychosomatische Rehabilitation meint den ganzen Menschen im Sinne des bio-psychosozialen Krankheitsmodells. Dementsprechend müssen die notwendigen Therapiemethoden sinnvoll miteinander kombiniert werden. In der HELIOS Klinik Bad Grönenbach wird für jeden Patient nach ausführlicher Eingangsdiagnostik ein individueller Therapie- und Rehaplan erstellt. Den Schwerpunkt bildet die Psychotherapie, ergänzt durch die notwendige medizinische und physiotherapeutische Behandlung und die Hilfestellung bei beruflichen Fragen.

 

Menschenbild
Im Sinne eines organismischen Menschenmodells sehen wir seelische und körperliche Symptome nicht als isoliertes Geschehen, sondern als Ausdruck einer tieferen Störung im seelisch-körperlichen Gesamtorganismus. Die Therapie zielt gemäß dieser Auffassung auf die Reintegration des gesamten Erlebens. Dieses Konzept bestimmt die ganzheitliche Medizin und ist richtungweisend für die tiefenpsychologisch orientierte humanistische Psychotherapie und den integrativen Therapieansatz, den wir in der Klinik vertreten.
Der Mensch und seine Beziehungsfähigkeit stehen für uns im Mittelpunkt der Behandlung. Wir stützen uns auf dialogisch-philosophische Konzepte (z.B. von Martin Buber), die grundlegend waren für die Pioniere der Gruppenpsychotherapie wie J. L. Moreno und F. Perls und die auch heute noch die humanistisch orientierte Therapierichtung prägen. Die erlebte Wertschätzung durch andere Menschen stärkt die Selbstachtung und hilft die Selbstannahme und Liebesfähigkeit anderen Menschen gegenüber wieder zu entdecken. Dieses Konzept wird bestätigt durch die Ergebnisse der Psychotherapieforschung. Eine gute und tragfähige therapeutische Arbeitsbeziehung ist für den Behandlungserfolg wesentlich. Die Frage nach dem Sinn einer Erkrankung ist insofern nachweislich heilungsfördernd, als sie dem betreffenden Menschen helfen kann, seinen bisherigen Lebensentwurf zu überdenken und sich evtl. auf andere und neue Ziele auszurichten, die erst durch die innere Auseinandersetzung mit der Krankheit deutlich werden.

 

Psychotherapie und Medizin
Die ganzheitliche Sicht vom Menschen spiegelt sich in unserer Klinik in einer engen Verzahnung der medizinischen und psychotherapeutischen Behandlung. Die medizinische Behandlung kombiniert naturwissenschaftlich begründete Methoden mit Naturheilverfahren, Sport- und Bewegungstherapie. Die einzelnen Maßnahmen werden mit dem psychotherapeutischen Team abgesprochen, um eine optimale individuelle Kombination zu erreichen. Dies ist notwendig, da z.B. Menschen mit schlechter Körperwahrnehmung unter Stress häufig mit körperlichen Missempfindungen, Schmerz oder anderen psychisch bedingten Körpersymptomen reagieren und mit diesen gewissermaßen überängstlich zum Mediziner gehen. Deshalb muss das kombinierte medizinische und psychotherapeutische Vorgehen jeweils neu abgestimmt werden.

 

Psychotherapiekonzept
Psychotherapie soll helfen, Schwierigkeiten im gegenwärtigen Leben zu lösen. Daher muss sie einerseits genügend Schutzraum zur Verfügung stellen, damit sich ein Mensch mit alten Kränkungen und angestauten Gefühlen angstfrei auseinander setzen kann und andererseits ausreichend wohlwollende Konfrontation bieten, damit irreale Wunschphantasien abgetrauert werden können und die Fähigkeit zu angemessenem Problemlösungsverhalten und eigenverantwortlicher Lebensgestaltung gestärkt wird.

 

Therapie ist eine Form zwischenmenschlicher Begegnung, in der sowohl Hilfe zur Bewältigung seelischer Probleme Platz hat als auch die Begleitung einer inneren Suche nach dem Sinn des erlebten Schicksals. Die Grundorientierung ist psychodynamisch und erfahrungsorientiert. Unbewusste konflikthafte Motivationen für das gegenwärtige Handeln werden erfahrbar, neue Verhaltensweisen können eingeübt werden. Real erlittene Traumata und ihre innerseelischen Folgen kann man lernen besser zu bewältigen, um seelische Handlungsspielräume zurückzugewinnen. Übergeordnetes Ziel der Therapie ist die Sichtung der bewussten und weniger bewussten Probleme des Betreffenden, die Aussöhnung mit den eigenen ungeliebten Seiten und die Reintegration abgespaltener Persönlichkeitsanteile in das bewusste Selbst.

 

Im psychodynamischen Behandlungsfokus stehen die sich wiederholenden Fehlanpassungsmuster, die ständig konflikthafte Beziehungsthemen erzeugen. Neben dem Gespräch nutzen wir zur Diagnostik standardisierte testpsychologische Verfahren zur Erfassung von Symptomen, Einstellungen und eingeschliffenen Beziehungsmustern. Für die therapeutische Bearbeitung nutzen wir erlebnisaktivierende Verfahren (z.B. Gestalttherapie, Psychodrama, körper- und kreativtherapeutische Methoden), die im Sinne einer prozess-erfahrungsorientierten Psychotherapie (Greenberg et al.) eingesetzt werden. Störungsspezifisch kommen stützende und verhaltensmodifizierende Verfahren hinzu. Wir nutzen gezielt die Ressourcen der Patienten und arbeiten mit schriftlichen Therapieverträgen, die das tägliche Einüben lösungsorientierter Verhaltensweisen unterstützen. Die Therapie ist gruppenorientiert und eingebettet in das soziale Übungsfeld einer speziell dafür ausgerichteten therapeutischen Gemeinschaft, die aus dem Konzept der Teaching-Learning-Community nach Dr. Walter Lechler entwickelt wurde. Einer der Grundgedanken ist die enge Verzahnung professioneller Therapie mit dem gegenseitigen Lernen unter Betroffenen im Sinne des Selbsthilfegedankens. In der HELIOS Klinik Bad Grönenbach besteht traditionell eine enge Verbindung zu den Selbsthilfegruppen, insbesondere den Gruppen der Anonymen (AA, OA EA und andere), deren geistig-spirituelles Programm für viele Menschen zu einer unentbehrlichen Richtschnur geworden ist.