HELIOS Klinik Bad Grönenbach

Esstörungen

Was sind Essstörungen?
Essen ist etwas Alltägliches. Das Essen stellt ein grundlegendes Bedürfnis des Menschen dar, ehe er sich anderen Aktivitäten widmen kann. Richtig ist auch: Wir essen nicht nur aus Hunger, sondern auch aus Genuss, aus Freude am Essen, aus Geselligkeit. Wir essen aber ebenso, um uns zu trösten, um Spannungen abzubauen oder Ängste zu mindern. Noch dazu – und hier beginnen, oftmals noch unbemerkt, die Probleme – stellt das Essen, "Essen-Müssen“, "Nicht-Essen-Dürfen“ in vielen Familien ein bedeutendes Thema, wenn nicht sogar Mittel der Erziehung dar. Wer die hier vollkommen unsystematisch zusammengestellten Hinweise für sich selbst überprüft, dem wird sehr wahrscheinlich auch einiges bekannt vorkommen:

  • Eigene oder in der Familie durchgeführte Diäten
  • Essen aus Frust, Langeweile
  • Heimliches Essen
  • Selbstgemachte "Verbote“ für bestimmte Nahrungsmittel
  • Häufiges Wiegen und vom Gewicht abhängiges Selbstwertgefühl
  • Deutliche Gewichtsschwankungen
  • Unzufriedenheit mit dem eigenen Gewicht / der eigenen Figur
  • Eigene Kleidung dient dazu, Körperformen zu verstecken
  • Erfahrungen mit abwertenden Reaktionen bzgl. der eigenen Figur

 

Das heißt nun nicht, automatisch an einer Essstörung zu leiden und therapeutische Hilfe zu benötigen. Deutlich wird aber: Der Übergang von gesellschaftlich akzeptierten Vorstellungen über Ernährung, Schlankheit und Körpergefühl zum gestörten Essverhalten ist fließend und wird von den Betroffenen selbst oft erst spät erkannt (eine unserer Patientinnen, zirka 30 Jahre alt, hielt sich ihr Leben lang für "relativ schlank“ und wurde in dieser Selbstwahrnehmung durch die schonende Bestätigung ihrer Familie und sogar einer Freundin wohl allzu lang gestützt: Zur stationären Aufnahme kam sie schließlich mit einem Körpergewicht von 167 kg!).

 

Zum Problem wird Essen dann, wenn der Umgang mit Nahrung außer Kontrolle geraten ist. Viele Menschen quälen sich dann über Jahre hinweg z.B. mit Diäten und rigiden Kontrollversuchen ("Heute esse ich erst am Abend“ – "Nie wieder Süßes“), mit denen sie doch nur scheitern können, weil diese "Lösungen“ wiederum Teil des Problems sind. Ähnlich wie bei Suchterkrankungen kommt es auch hier zum Kontrollverlust, d.h. die Betroffenen können ihr zwanghaftes Essverhalten bzw. das Abmagern nicht mehr willentlich steuern. Essen ist nicht mehr an ein spürbares körperliches Empfinden von Hunger oder Sättigung gekoppelt. Deshalb sehen wir Essstörungen als psychosomatische Erkrankungen mit Suchtcharakter.

 

Der Kontrollverlust besteht bei:

  • der Anorexia nervosa (Magersucht) in der Unfähigkeit, mit dem Hungern aufzuhören;
  • der Bulimia nervosa (Ess-Brech-Sucht) in der Unfähigkeit, mit Phasen von Fressorgien und Heißhungerattacken und Phasen der Entleerung durch Erbrechen, Abführmittel oder Diät aufzuhören;
  • der Binge-Eating-Störung (Esssucht) in der Unfähigkeit, nach dem ersten Bissen mit dem Essen bzw. mit dem zwanghaften Überessen aufzuhören.

 

Schwere Essstörungen beginnen oft mit Diäten bzw. Diätversuchen und stellen tatsächlich Bewältigungsversuche für massive psychische Schwierigkeiten dar. Innere Konflikte, Beziehungsprobleme und Schwierigkeiten im Umgang mit eigenen Gefühlen werden zunehmend auf der Ebene des Essverhaltens abgehandelt, das Essen wird zum neurotischen bzw. psychosomatischen Symptom (dies kommt in vielen Selbstschilderungen von Betroffenen zum Ausdruck, die z.B. "Ärger runterschlucken“).

 

Doch insbesondere Schamgefühle, Hilflosigkeit im Umgang mit dem Essen und die damit verbundene Verheimlichung halten die Betroffenen oft jahrelang davon ab, professionelle psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen – ein Teufelskreis hat begonnen. Wie bei anderen psychosomatischen Erkrankungen dauert es durchschnittlich fünf bis sieben Jahre vom Ausbruch der Krankheit bis zum Beginn einer adäquaten Behandlung. Die Gefahr der Chronifizierung ist groß, verbunden mit Komplikationen, die – v.a. bei der Anorexie – tödlich verlaufen können (die Sterblichkeitsrate bei Magersucht beträgt im Langzeitverlauf bis zu 20 Prozent).

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