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Ursachen und Hintergründe einer somatoformen Störung

Die Ursachen somatoformer Störungen sind vielfältig; in erster Linie spielen psychosoziale Belastungsfaktoren in Kindheit und Jugend eine Rolle. Häufig liegt ein Mangel an emotionaler Fürsorge kombiniert mit körperlicher oder sexueller Misshandlung vor.

 

Sozialer Stress – oft eine starke berufliche Beanspruchung der Eltern von klein auf oder auch eine chronische körperliche oder psychische Erkrankung bei einem Elternteil oder einem anderen Familienmitglied – erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass bei entsprechend disponierten Eltern Alkoholmissbrauch ebenso wie familiäre Gewalt und emotionale Vernachlässigung des Kindes zum Ventil für eine körperliche wie psychische Überforderung werden. Die emotionale Zurückweisung als Kind führt im späteren Leben häufig zu einem unsicheren Verhalten in zwischenmenschlichen Beziehungen, einhergehend mit einer gravierenden Selbstwertproblematik, die wiederum durch Überaktivität und Leistungsorientierung zu kompensieren versucht wird. Dieses Verhaltensmuster begünstigt eine verstärkte Anfälligkeit für körperliche Beschwerden.

 

Ferner gibt es Untersuchungen, die Probleme in der Wahrnehmung und Verbalisierung von Emotionen als zentrales Merkmal somatoformer Störungen belegen. Manchmal werden auch – auf dem Boden der persönlichen Lebensgeschichte bzw. durch einen individuellen Wahrnehmungsstil begünstigt – normale körperliche Empfindungen intensiver wahrgenommen und als Zeichen einer Erkrankung interpretiert. Dies kann dann wiederum zu einer Verstärkung der Beschwerden und Aufmerksamkeitsfokussierung führen.

 

Begleitdiagnosen wie depressive und Angststörungen sowie Persönlichkeitsstörungen und Suchterkrankungen können dem Auftreten der somatoformen Störung vorausgehen, gleichzeitig mit ihr auftreten oder dieser folgen. Insbesondere begleitende affektive Erkrankungen müssen im Behandlungsverlauf Beachtung finden, da eine Schmerzsymptomatik sich darunter verstärken kann.

 

Als Auslösefaktoren der somatoformen Störung sind häufig akute belastende Lebensereignisse sowie Belastungs- und Überforderungssituationen im Leben der Betroffenen zu finden: z.B. eine akute körperliche Erkrankung, Enttäuschungen und Zurückweisungen, Verlust- und Trennungserfahrungen, Naturkatastrophen, Kriege.

 

Chronifizierungsfaktoren:
Zahlreiche medizinische Abklärungen und die Überbewertung von abweichenden Befunden aufgrund fehlenden Wissens bezüglich psychosomatischer Zusammenhänge führen zusammen mit den oben bereits genannten Faktoren zur weiteren Verstärkung des Teufelskreises. Ein Schonverhalten mit sozialem Rückzug und Reduzierung der Arbeitsbelastung kann den Abbau der körperlichen Belastbarkeit noch begünstigen.