Was ist ein (Psycho)-Trauma?
Als Trauma wird ein katastrophales Ereignis verstanden, das durch seine überwältigende Intensität, Plötzlichkeit und Bedrohlichkeit die Möglichkeiten des betroffenen Menschen überfordert, dieses Ereignis ohne dauerhafte Folgen und Einschränkungen zu verarbeiten. Das Opfer erlebt sich hilflos ausgeliefert, da Flucht oder Angriff und sonstige Strategien zum Selbstschutz nicht wirksam oder möglich sind. Traumatisierungen können durch andere Menschen (z.B. durch einen Überfall) oder im Rahmen von Unfällen und Naturkatastrophen stattfinden.
Handelt es sich um ein kurzes, akutes und begrenztes Trauma-Ereignis, spricht man vom Typ 1-Trauma. Die meisten Typ 1-Traumata können dank vorhandener Selbstheilungsmechanismen von den betroffenen Menschen in den dem Ereignis folgenden Wochen ohne bleibende Symptome verarbeitet werden. Sozialer Beistand, Schutz und Entlastung fördern diese spontanen Heilungsvorgänge.
Von einem Typ 2-Trauma spricht man, wenn Menschen wiederholte, länger andauernde und schwere Bedrohungen und/oder Gewalt durch andere Menschen erfahren müssen, meist in der Kindheit und häufig auch in Form sexualisierter Gewalt. Kinder entwickeln besondere Fähigkeiten und charakteristische Schutzmechanismen, die ihnen ein seelisches Überleben in solchen auswegslosen Situationen ermöglichen. Beispielsweise lernen sie, sich von ihren Gefühlen, ihren körperlichen Schmerzen oder ihrem wachen Bewusstsein für das Geschehen abzutrennen (Dissoziation); oder sie übernehmen anstelle des Täters die Verantwortung und Schuld für das Geschehen (Introjektion).
In manchen Fällen kommt es nach einem traumatischen Ereignis zur dauerhaften Entwicklung krankheitswertiger psychosomatischer Symptome, z.B. in Form der posttraumatischen Belastungsstörung. Dieses Krankheitsbild ist im Wesentlichen durch folgende Symptome (nach ICD-10) gekennzeichnet: