Auf der Basis einer dialogischen Therapiebeziehung und eines intensiven Zusammenlebens in der Therapeutischen Gemeinschaft der Mitpatienten werden im Therapieverlauf die problematischen depressions-auslösenden bzw. -aufrechterhaltenden emotionalen Schemata in Bezug auf sich selbst, andere Menschen oder die Beziehungsgestaltung aktiviert. Das Fördern von Bewusstheit über diese inneren Vorgänge sowie ihre krankmachenden Konsequenzen und die Arbeit mit individuell abgestimmten therapeutischen Aufgaben ermöglichen korrigierende emotionale Neuerfahrungen im Behandlungsverlauf. Über die realistische Verarbeitung dieser Erfahrungen werden Veränderungen der depressiven Schemata möglich. Das Trainieren antidepressiver Fertigkeiten im Umgang mit der Erkrankung fördert eine wirksame Rückfallprophylaxe.
Im Folgenden werden die einzelnen Behandlungselemente beschrieben:
Vorbetreuung
Der Einstieg in die stationäre Therapie beginnt mit dem Abschicken des ausgefüllten Fragebogens an die Klinik. Dort wird er von den vorbetreuenden Therapeuten gelesen und ausgewertet. Sollte es aus unserer Sicht notwendig sein, weitere Informationen zu erhalten, werden die Patienten benachrichtigt. Unter Umständen werden sie auch zu einem ambulanten Vorgespräch eingeladen, in dem die weitere Vorbereitung auf die Therapie besprochen wird. Der Kontakt zu dem vorbehandelten Arzt oder Therapeuten kann mündlich oder schriftlich erfolgen.
Aufnahme
Bei der Aufnahme findet ein ausführliches diagnostisches Gespräch statt. Dabei wird über die weitere Therapieplanung entschieden und die anstehenden Behandlungsangebote (einschließlich evtl. notwendiger medikamentöser Therapie) werden besprochen. Ein wichtiges Ziel ist die Entlastung des Patienten von der Vorstellung, an seiner Erkrankung selbst Schuld zu sein. Gleichzeitig werden antidepressive Verhaltensweisen erörtert. Das unterstützende Klima der Therapeutischen Gemeinschaft mit vielen anderen Betroffenen, die Geborgenheit in der eigenen Therapiegruppe und die Anbindung an das Pflegepersonal und den Therapeuten führen in der Regel zu einer spürbaren Entlastung des Patienten, der oftmals in seinem häuslichen und beruflichen Umfeld bis zuletzt versucht hat zu funktionieren.
Kerngruppe (Psychodynamisch-erfahrungsorientiert, klärungsorientiert)
In der Kerngruppe werden die der Depression zugrunde liegenden tiefenpsychologischen Konflikte herausgearbeitet und bewusst gemacht. Dabei können die typischen depressiven Erlebens- und Verhaltensmuster in Zusammenhang zu der eigenen Lebensgeschichte gesetzt und verstanden werden. Im geschützten Klima der Therapiegruppe können unterdrückte Gefühle und Bedürfnisse erlebt und ausgedrückt werden. Gerade Menschen mit depressiven Störungen leiden unter einem hochgradigen Zuwendungs- und Anerkennungsmangel, der wiederum die Depression aufrecht erhält. In neuen konstruktiven Beziehungserfahrungen kann es gelingen, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Methodisch kommen unter anderem erfahrungsorientierte Therapieverfahren wie Transaktionsanalyse und Gestalttherapie sowie körpertherapeutische und kunsttherapeutische Verfahren zur Anwendung.
Weitere Angebote für depressive Patienten im Überblick:
Obwohl in vielen Fällen die psychotherapeutischen Angebote nachgewiesenerweise sehr gut wirksam und ausreichend sind, gibt es Fälle von schweren Depressionen, bei denen eine unterstützende medikamentöse Psychopharmakotherapie notwendig ist, damit Psychotherapie überhaupt wirksam werden kann. Aus diesem Grunde werden im Bedarfsfall – nach intensiver Aufklärung und Beratung des Patienten – auch Antidepressiva verordnet. Falls eine medikamentöse Einstellung vor der Therapie notwendig erscheint, wird dies in der Regel in einem ambulanten Gespräch mit den Patienten besprochen.
Depressionsbehandlung an der HELIOS Klinik Bad Grönenbach: Diagnostik und Therapieverlauf