Arten von Depressionen
Nach der Internationalen Klassifikation Psychischer Störungen (ICD-10) unterscheidet man mehrere Arten von depressiven Störungen.
Die leichteste Form – die Dysthymie – muss in der Regel – wenn keine zusätzlichen Diagnosen bestehen – nicht stationär behandelt werden. Man versteht darunter eine leichtere, aber chronifizierte Form einer depressiven Verstimmung, die weder schwer noch hinsichtlich einzelner Episoden anhaltend genug ist, um die Kriterien einer schweren, mittelgradigen oder leichten rezidivierenden depressiven Störung zu erfüllen. Sie beginnt meist im frühen Erwachsenen-Alter.
Bei der unipolaren depressiven Episode (nur depressive Verstimmung, keine Manie) oder der wiederkehrenden (rezidivierenden) depressiven Störung ist oftmals ein stationärer Aufenthalt sinnvoll und hilfreich, wenn nicht unumgänglich, wobei im Einzelfall noch zusätzlich über eine begleitende medikamentöse Therapie entschieden werden muss. Gibt es gleichzeitig manische Phasen, liegt eine bipolare Störung vor. Diese stellt für unser Behandlungskonzept eine Kontraindikation dar.
Bei der Diagnose der Depression ist zu beachten, dass es oftmals kein einheitliches Erscheinungsbild dieser Erkrankung gibt. Erschwerend kommt hinzu, dass depressive Menschen gerade nicht diejenigen sind, die sich hängen lassen, sondern vielmehr oftmals fleißig, fürsorgend, leistungsorientiert, teils selbstgenügsam oder sogar manchmal besonders von sich überzeugt sind.
Folgende Anzeichen sind typisch für eine Depression, sollten jedoch auf jeden Fall ärztlicherseits abgeklärt werden, da die einzelnen Symptome auch im Zusammenhang mit anderen Krankheitsbildern auftreten können:
- Traurige Stimmung:
Im Vordergrund der Beschwerden steht meist das Gefühl der tiefen Traurigkeit und der Freudlosigkeit. Der Erkrankte fühlt sich niedergeschlagen und mutlos; die Stimmung ist getrübt. Manche Betroffene berichten auch von einem "Gefühl der Gefühllosigkeit" oder von einer inneren Leere. Zu dieser Trauer tritt eine Hoffnungslosigkeit. Der Erkrankte glaubt, dass er keine Zukunft mehr hat und dass er an seiner Situation nichts mehr ändern kann.
- Störungen des Antriebs und der Entscheidungsfähigkeit:
Wer von einer Depression betroffen ist, kann sich oft zu nichts mehr entschließen; selbst einfache Entscheidungen und Verrichtungen machen ihm große Mühe. Das innere Leid lässt sich manchmal auch an seinem Gesichtsausdruck und seinen Bewegungen erkennen. Der Mediziner spricht hier von einer Verarmung von Mimik und Motorik.
- Konzentrationsstörungen:
Vielen Erkrankten fällt es sehr schwer, sich auf etwas zu konzentrieren. Ihre Arbeit strengt sie übermäßig an, sie fühlen sich von Aufgaben überfordert, die sie früher ohne Probleme erledigt haben. Viele Betroffene berichten auch von einem "Kreisen" der Gedanken. Es fällt ihnen schwer, sich von einigen wenigen Überlegungen zu lösen, über die sie immer wieder nachgrübeln müssen. - Schuld- und Minderwertigkeitsgefühle:
Wer an einer Depression leidet, glaubt meist, dass er in irgendeiner Form selbst an seiner Erkrankung schuld ist. Das Leiden wird nicht als Folge einer Erkrankung gesehen, sondern als Konsequenz des eigenen Versagens. Diese Schuldgefühle können sich bis zu einem Wahn steigern, in dem der Betroffene annimmt, dass seine Erkrankung eine Strafe für vergangene Versündigungen sei.
- Schlafstörungen:
Bei vielen Erkrankten kommt es während einer Depression zu Schlafstörungen. Sie wachen oft auf oder können erst gar nicht einschlafen. Andere leiden unter einem stark erhöhten Schlafbedürfnis. So schlafen einige Depressive wesentlich länger als sonst und fühlen sich trotzdem nicht erholt. Die meisten liegen trotz Müdigkeit lange wach oder wachen schon in den frühesten Morgenstunden von selbst auf.
- Angst:
Eine Depression wird häufig von Ängsten begleitet. Der Betroffene wird zum Beispiel von der ständigen, unbegründeten Vorstellung gequält, er sei unerwünscht oder für seine Mitmenschen eine Last. Auch machen sich viele Erkrankte vor dem Hintergrund ihrer Erkrankung Sorgen um ihre Zukunft. Dabei können die auftretenden Ängste eher unbestimmt sein, das heißt, der Betroffene verspürt ein Gefühl der dauernden Sorge, ohne genau zu wissen, wovor er Angst hat.
- Körperliche Beschwerden:
Eine Depression kann sich auch in körperlichen, so genannten somatischen Anzeichen äußern. Betroffene klagen über Schmerzen und Beschwerden, für die der Arzt keine körperliche (organische) Ursache finden kann. Dabei können die unterschiedlichsten Körperteile und Organe betroffen sein.
- Suizidgedanken:
Die Vorstellungen von Nutzlosigkeit und Schamgefühle über das vermeintlich eigene Versagen führen häufig bei depressiven Menschen früher oder später zu Gedanken an den Tod als einzigen Ausweg. Diese Selbstmordgedanken (Suizidgedanken) stellen ein hohes Risiko für den Patienten dar und sind absolut behandlungsbedürftig. Ein Großteil der Selbstmorde in unserem Land geschieht unter dem Einfluss depressiver Erkrankungen. Wird die Depression richtig behandelt (und das gelingt in vielen Fällen sehr erfolgreich), verschwinden in der Regel auch die Suizidgedanken.
(Quelle: modifiziert aus Kompetenznetz Depression)