Was versteht man unter Beziehungs- und Persönlichkeitsstörungen?
Menschen mit dieser Problematik verfügen nicht über ausreichend Flexibilität, Vielfalt und Anpassungsfähigkeit im Rahmen ihres Persönlichkeitsstils. Die persönlichen Eigenarten weichen dagegen mit ausgesprochener Unflexibilität, ständiger Wiederholung und der Unfähigkeit, Stress zu bewältigen, von einem angemessenen und befriedigenden Verhalten und Erleben ab.
Die Abweichungen betreffen folgende Bereiche:
Meist besteht die Problematik seit der späten Kindheit oder frühen Jugend und wird im Gegensatz zu seelischen Störungen (wie z.B. Ängsten oder Depressionen), die auftreten und auch wieder verschwinden können, als zur Person dazu gehörig erlebt.
Der Übergang vom Persönlichkeitsstil zur Störung ist fließend und bedarf präziser diagnostischer Klärung. Dazu gehört auch die Information und Aufklärung des Patienten, wie auch die Einbeziehung seiner eigenen Einschätzung.
Persönlichkeitsstile | -> | Persönlichkeitsstörungen |
Gesunde Varianten | Extremisierungen | |
Gewissenhaft | -> | Zwanghaft |
Selbstbewusst | -> | Narzisstisch |
Dramatisch, emotional | -> | Histrionisch |
Wachsam, | -> | Paranoid |
Sprunghaft / emotional labil | -> | Borderline |
Anhänglich | -> | Dependent |
Ungesellig | -> | Schizoid |
Lässig | -> | Passiv-Aggressiv |
Sensibel | -> | Selbstunsicher |
Exzentrisch | -> | Schizotypisch |
Abenteuerlich | -> | Antisozial (Dissozial) |
Leider wird der Begriff der Persönlichkeitsstörung von vielen Betroffenen immer noch als stigmatisierend erlebt, da damit oft eine eher defizit-orientierte Sichtweise des Persönlichkeitsstörungskonzeptes im Sinne eines Makels verbunden wird. Hier muss die Diskussion um eine angemessene Begrifflichkeit weitergehen. Wir sind mit vielen anderen Fachleuten der Auffassung, dass Persönlichkeiten und deren Stile nicht ausschließlich unter einem Störungsbegriff verstanden werden können.
Die häufigsten – in Abteilung 1 und 2 behandelten – Persönlichkeitsstörungen sind:
In Abteilung 3 werden schwerpunktmäßig Patienten mit Borderline-Persönlichkeitstörung und anderen strukturellen Störungen (z.B. paranoide, schizotype, schizoide Persönlichkeitsstörung) behandelt. Übergänge, Überschneidungen sowie Kombinationen einzelner Persönlichkeitsstörungen kommen häufig vor und können fließend sein. Gemeinsam sind allen Persönlichkeitsstörungen so genannte dysfunktionale (ungünstige) Interaktionszirkel (Teufelskreise), die typisch für das innere Erleben und die Beziehungsgestaltung sind.
Beispiel anhand einer abhängigen Persönlichkeitsstörung siehe Schaubild.