Als theoretische Modelle zur Entstehung von Angststörungen unterscheidet man solche, die eher die Voraussetzungen in der Lebensgeschichte betrachten und solche, die sich vorrangig mit der Angstsymptomatik selbst und dem Angstaufschaukelungsprozess auseinandersetzen. Als Voraussetzungen können sowohl Ängstlichkeit als vererbtes Merkmal (Asendorpf, 1999; Dunn & Plomin, 1996) als auch Erziehung zur Ängstlichkeit gelten. Hierunter fällt in erster Linie ein überfürsorglicher, ängstlicher Erziehungsstil, der den Kindern nichts zutraut und somit ihr Selbstwertgefühl verringert (z.B. Furedi, 2002; Parker et al, 1999). Andere Autoren heben die Bedeutung von Eltern als ängstliche Rollenvorbilder/Modelle hervor (z.B. Schneider & Margraf, 1999). Die meisten Modelle gehen von einer Wechselwirkung von "ängstlicher Bereitschaft“, dem zuvor beschriebenen Nährboden für Angststörungen, und dem Erleben der ersten Panikattacke in der Auslösesituation aus. Diese Auslösesituation (z.B. Unfall, Steckenbleiben im Aufzug, Hundebiss, Panikattacke im Auto) war mehr oder weniger stark existenziell bedrohlich oder wurde entsprechend interpretiert. Das psychophysiologische Modell der Panikstörung geht von einem Angst-Aufschaukelungsprozess aus, der durch eine erhöhte Aufmerksamkeit gegenüber Körper-Empfindungen und die Fehlinterpretation dieser Wahrnehmungen als Gefahr vermittelt wird. In vielen Fällen entkoppeln sich Angststörungen von den Bedingungen, in denen sie ursprünglich entstanden sind und entwickeln eine Eigendynamik oder weiten sich sogar aus. Für einige Autoren gelten deshalb die Faktoren, welche die Angststörung aufrechterhalten, also nicht von selbst abklingen lassen, als die "Ursache“ der Angststörung. Hierzu zählt zu aller erst die Vermeidung eigentlich harmloser Situationen, wodurch der Betroffene sich um die Erfahrung bringt, dass die Angst nach einiger Zeit auch in der als bedrohlich erlebten Situation abgeklungen wäre. Weiterhin gehören dazu z.B. so genannte Sicherheitsverhaltensweisen, die in der angstbesetzten Situation eingesetzt werden, um die Angst weniger zu spüren (z.B. auf die Uhr sehen; an einen Punkt starren) oder eine ungünstige Atemtechnik, unrealistische Katastrophenfantasien, eine übertriebene körperliche Schonhaltung oder positive Folgen der Angstsymptomatik wie erhöhte Zuwendung vom Partner.
Die Ursachen und aufrechterhaltenden Faktoren für Zwangsstörungen sind im sehr empfehlenswerten Selbsthilfebuch von Klepsch & Wilcken (1998) beschrieben.