Patienten mit reinen sozialen Ängsten werden in der Regel vorrangig in der Kerngruppe behandelt, da diese Situation zumeist die speziellen Befürchtungen der Betroffenen aktiviert, wodurch diese bearbeitet werden können. Sozialphobiker können ferner durch das Mitleben in der therapeutischen Gemeinschaft lernen, sich vorher vermiedenen Situationen zu stellen. So werden sie vom therapeutischen Team dazu angeregt, sich durch "Meldungen zu sich selbst“ vor anderen zu zeigen (betrifft die Angst vor Kritik und Bloßstellung) oder durch "Konfrontationen“ mit Mitpatienten Forderungen stellen zu lernen oder zu üben, sich abzugrenzen. Als hilfreiche Zusatzmaßnahme können die betroffenen Patienten an der Gruppe zur emotionalen Kompetenz oder bei besonders gravierender Ausprägung der Störung an der Angstbewältigungsgruppe teilnehmen.
Personen mit generalisierter Angststörung, die sich ständig zu viel Sorgen machen und sich dadurch in einem dauerhaften Unruhezustand befinden, werden ebenso vorrangig in der Kerngruppe behandelt. Sie werden in dieser Gruppe angeregt, ihre persönlichen Stressmuster zu erkennen und Beruhigungsstrategien zu entwickeln. Ergänzend profitieren diese Patienten in erster Linie vom Erlernen oder Wiederauffrischen eines Entspannungstrainings oder sie nehmen an der Atemgruppe teil.
Personen mit Panikstörung oder Phobien oder auch übertriebener Angst vor Krankheiten (Hypochondrie) werden neben der Kerngruppe in der störungsspezifischen Angstbewältigungsgruppe behandelt.
Die stationäre Behandlung von Zwangsstörungen
Patienten mit Zwangsstörung werden nur dann behandelt, wenn vorrangig psychodynamische Entstehungsbedingungen vorliegen (z.B. Beziehungskonflikte) oder wenn die Zwangsstörung nur leicht bis mittelschwer ausgeprägt ist. Menschen mit schweren Zwangsstörungen müssen vorrangig in rein verhaltenstherapeutisch orientierten Kliniken behandelt werden.
Die Behandlung besteht neben der klärungsorientierten Gruppentherapie in der Kerngruppe in ergänzender verhaltenstherapeutisch orientierter Einzeltherapie. Dabei wird nach der diagnostischen Abklärung mit dem Patienten ein persönliches Erklärungsmodell für die Zwangsstörung erarbeitet. Daraus leitet sich konsequent die Behandlung ab, die in Absprache mit dem "Tempo“ des Patienten in der Regel aus einer gegebenenfalls therapeutisch begleiteten Konfrontation mit den bisher vermiedenen Reizen/Situationen (z.B. Schmutz; elektrische Geräte) und einer Nicht-Ausführung der Zwangsverhaltensweisen besteht. Bei Zwangsgedanken wird die Konfrontation zumeist über Tonbänder durchgeführt, unterstützt durch ein Computerprogramm zur Zwangs-Selbsthilfe ("Brainy“). Alternative Umgangsformen und Ablenkungsstrategien im Umgang mit der aufkommenden Unruhe werden gemeinsam mit dem Therapeuten erarbeitet.
Informationen zu den angeführten Therapiemethoden finden Sie unter Psychotherapie.