Indikation zur Rehabilitation
Als Hörbehinderter benötigen Sie spezielle Rehabilitationsangebote mit medizinischen und therapeutischen Behandlungsschwerpunkten, welche die besonderen Belastungen und Lebensumstände Ihrer Behinderung in den Mittelpunkt stellen. Alle Therapeuten und Mitarbeiter der HELIOS Klinik Am Stiftsberg wissen um die entstehenden Probleme und täglichen Anstrengungen, die Sie auf allen Lebensfeldern, d.h. in Partnerschaft, Familie und Beruf bewältigen müssen, um nicht aus der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden. Mit Ihnen und in der Gemeinschaft Gleichbetroffener werden Wege und Möglichkeiten während der Rehabilitation entwickelt, die Ihnen einen gleichberechtigten Platz in Ihrer Umwelt und eine bessere Lebensqualität ermöglichen sollen.
Das besondere Problem der Schwerhörigkeit besteht zunächst darin, dass die Hörbehinderung von "normalhörenden" Mitmenschen (Partner, Familie, Arbeitskollegen) als unsichtbare und nicht fassbare Einschränkung nicht nachvollzogen werden kann. Dabei ist nach wie vor allgemein verbreitet, dass allein lautes Sprechen oder Schreien Ihnen ein normales Hören und Verstehen ermöglicht. Sie machen aber als Betroffener täglich die Erfahrung, dass man als Schwerhöriger zwar "hören", aber durch Ausfall wesentlicher, z.T. auch für das Sprachverständnis wichtiger Frequenzbereiche nicht "verstehen" kann. Dieses Missverständnis führt häufig zu großer Unsicherheit und vielen Konflikten im Umgang zwischen Hörbehinderten und "Hörenden" in allen Lebensbereichen, d.h. sowohl am Arbeitsplatz wie auch in der Familie. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die häufig von "Hörenden" wiederholte Aussage, "sie/er höre nur, was sie/er hören wolle". Dies entbehrt objektiv gesehen sogar nicht einer gewissen Logik, weil das Sprachverständnis in belastenden Situationen (z.B. bei Stress) objektiv schlechter ist als in entspannter Atmosphäre.
Wissenschaftlich unbestritten ist, dass eine höhergradige Hörbehinderung die aufgeführten körperlichen, seelischen und sozialen Folgen hervorrufen kann:
Minderung der Schwerhörigkeit führt häufig zu sozialer Isolation und Beeinträchtigung der Lebensqualität, Kontaktschwierigkeiten, ständiges Kämpfen um Akzeptanz als Mitmensch, Einschränkungen bei der Berufswahl, ohne sichtbare Hörgeräte keine Verständigung (Hörgerät als soziale Brandmarkung)
Kommunikationsprobleme führen häufig zum sozialen Rückzug und zur Vereinsamung, Schwerhörigkeit ist "die Fähigkeit nicht zu verstehen, was andere verstehen", Verunsicherung durch die Ungewissheit, ob man richtig verstanden hat und ob man selbst richtig verstanden wurde, starke Anstrengung durch die Notwendigkeit des ständigen "Lippenabsehens"
Das größte Problem ist die Unsichtbarkeit der Hšrbehinderung, die guthörenden Menschen ein verstehendes und nachvollziehendes Einfühlen erschwert. Obwohl Sie als Schwerhöriger immer wieder auf die Schwierigkeit des Verstehens aufmerksam machen, merken Sie meist nach einiger Zeit, dass Sie und Ihre Bedürfnisse "vergessen" werden. Trotz allergrößter Anstrengungen haben Sie sicher oft das Gefühl, dass Sie nicht mithalten können, von guthörenden Menschen wegen Ihrer Hörbehinderung nicht angenommen oder nicht verstanden werden, als "nervtötend", "schwierig" oder "komisch" abgestempelt werden und von der Gesellschaft - Familie wie Arbeitskollegen und Freunden - isoliert und gemieden werden.
Das Unverständnis vieler Hörender, die Abwertung bzw. Unterschätzung der Schwerhörigkeit, die Anstrengung, ständig kämpfen zu müssen, ohne dass dies den gewünschten Erfolg hat, dies alles geht an den Hörbehinderten nicht spurlos vorbei. Dies hat körperliche, seelische und soziale Folgen, die schnell zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität, zu Isolation und Resignation führen können.