Die Konzeption einer speziellen Rehabilitation für Cochlear-Implant-Träger erfolgte in Zusammenarbeit mit Mitarbeitern der HNO-Universitätsklinik in Freiburg (Direktor: Prof. Dr. Laszig), der HNO-Abteilung der Landeskrankenanstalten Salzburg (Direktor: Prof. Dr. Albegger), der HNO-Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover (Direktor: Prof. Dr. Lenarz) und Vertretern der CI-Träger Selbsthilfe-Organisationen in Deutschland (Frau Herzogenrath, Frau und Herr Herrmann) und Österreich (Herr Wimmer).
Indikation zur Rehabilitation
Bei vielen Ertaubten und an Taubheit grenzend Schwerhörigen kann unter bestimmten medizinischen und sozialen Voraussetzungen durch eine Cochlear-Implantation eine Hörfähigkeit in unterschiedlichem Grad wiederhergestellt werden. Das Ausmaß des Erfolges einer CI-Implantation hängt dabei einerseits von den medizinischen und technischen Voraussetzungen vor und bei der Implantation ab, z.B. Dauer der Ertaubung vor Implantation, anatomische Gegebenheiten im Innenohr (Schnecke). Andererseits ist unbestritten, dass das anschließende Hörtraining den entscheidenden Parameter bei der Anpassung und Ausnutzung der Möglichkeiten des Sprachprozessors darstellt. Es gibt daher viele Experten, die eine Rehabilitation nach CI-Implantation obligat für notwendig erachten.
Eine zweite Notwendigkeit der Rehabilitation stellt die Tatsache dar, Ihnen als CI-Träger realistische Möglichkeiten der CI-Funktion aufzuzeigen. Dabei müssen manchmal auch Hoffnungen und Wünsche, die Sie mit der Implantation verbunden haben, von erreichbaren Fortschritten und Zielen beim Verstehen abgegrenzt werden. Häufig relativiert sich die eigene Erwartung auch durch den Vergleich mit anderen CI-Trägern. So wird nicht jeder nach einer CI-Implantation in einer bestimmten Zeit dieselben Möglichkeiten mit dem CI wahrnehmen können, weil vor der Implantation auch die Voraussetzungen ganz unterschiedlich waren. So kann ein CI-Träger schnell wieder telefonieren, ein anderer vielleicht sogar Musik hören oder selbst ein Instrument spielen, während ein dritter sich beim offenen Sprachverständnis noch schwertut. Hier die individuellen Möglichkeiten des Einzelnen zu schulen und zu verbessern ist Aufgabe und gleichzeitig wichtiger Therapieinhalt der CI-Rehabilitation.
Viele CI-Träger berichten über eine große Erwartungshaltung ihrer Umgebung, mit der sie nach der Implantation konfrontiert werden. "Du hast doch jetzt ein CI, da kannst du doch wieder hšren", bedeutet meist das Ende der Rücksichtnahme von Angehörigen und Kollegen. Auch nach der Implantation sind Sie aber nicht normalhörend oder -verstehend, sondern werden weiterhin auf eigene Fähigkeiten wie Mundabsehen sowie Unterstützung durch Mundbild, Mimik und Gestik der Kommunikations-Partner angewiesen sein. Deshalb möchten wir Ihnen helfen, Ihre Möglichkeiten und Grenzen neu zu definieren. Konflikte, die sich aus der übersteigerten Erwartung Ihrer Umgebung und resultierender Abnahme der Rücksicht ergeben, sollen angesprochen und Lšsungswege entwickelt werden.
Aufgrund der Erfahrungen mit Möglichkeiten und Grenzen einerseits der technischen Seite der Sprachprozessoranpassung und andererseits bei seinen sozialen Kontakten, schwanken viele CI-Träger nach der Implantation häufig zwischen Euphorie und Resignation.
Als erster Zeitpunkt der Rehabilitation hat sich ein Abstand von einigen Monaten zur ersten Sprachprozessor-Anpassung bewährt. Durch eine Wiederholung nach einigen Jahren scheint eine weitere Verbesserung der Möglichkeiten in der Nutzung des Cochlear-Implants erreichbar zu sein, da sich der Erfolg mittel- und langfristig deutlich durch Übungen und Hörtraining steigern lässt.