HELIOS Klinik Am Stiftsberg

Konzept Ertaubte

Indikationen zur Rehabilitation von Hörgeschädigten bei internistischen und/oder orthopädisch/unfallchirurgischen Grunderkrankungen

Als Hörbehinderter benötigen Sie spezielle Rehabilitationsangebote mit medizinischen und therapeutischen Behandlungsschwerpunkten, welche die besonderen Belastungen und Lebensumstände Ihrer Behinderung in den Mittelpunkt stellen. Alle Therapeuten und Mitarbeiter der HELIOS Klinik Am Stiftsberg wissen um die entstehenden Probleme und täglichen Anstrengungen, die Sie in allen Lebensbereichen, d.h. in Partnerschaft, Familie und Beruf bewältigen müssen, um nicht aus der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden. Mit Ihnen und in der Gemeinschaft Gleichbetroffener sollen während der Rehabilitation Wege und Möglichkeiten entwickelt werden, die Ihnen einen gleichberechtigten Platz in Ihrer Umwelt und eine bessere Lebensqualität ermöglichen.

Das größte Problem ist die Unsichtbarkeit der Hörbehinderung, die guthörenden Menschen ein verstehendes und nachvollziehendes Einfühlen erschwert. Obwohl Sie als Ertaubter oder an Taubheit grenzend Schwerhöriger immer wieder auf die Schwierigkeit des Verstehens aufmerksam machen, merken Sie immer wieder, dass Sie und Ihre Bedürfnisse "vergessen" werden. Trotz allergrößter Anstrengungen haben Sie sicher oft das Gefühl, dass Sie nicht mithalten können, von guthörenden Menschen wegen Ihrer Hörbehinderung nicht angenommen oder nicht verstanden werden, als "nerv-tötend", "schwierig" oder "komisch" abgestempelt werden und von der Gesellschaft, der Familie, den Freunden und Arbeitskollegen isoliert und gemieden werden. Das Unverständnis vieler Hörender, die Abwertung bzw. Unterschätzung der Hörbehinderung, die Anstrengung ständig kämpfen zu müssen, ohne dass dies den gewünschten Erfolg hat, dies alles geht an Ihnen nicht spurlos vorbei. Dies hat körperliche, seelische und soziale Folgen, die schnell zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität, zu Isolation und Resignation führen können.

Die Ursachen einer Ertaubung oder an Taubheit grenzenden Schwerhörigkeit sind sehr vielfältig, so dass auch die Anpassung des Einzelnen an die Hörbehinderung zum Zeitpunkt der Ertaubung ganz unterschiedlich ausgeprägt ist. Auf der einen Seite stehen die Patienten, die durch einen Unfall, eine Operation, Medikamenten-Nebenwirkungen oder Tumor plötzlich ertaubt sind. Jeder einzelne ist in ganz kurzer Zeit vom Status des Guthörenden zu einem von der Kommunikation abgeschnittenen Betroffenen geworden. Andererseits werden viele Schwerhörige über einen längeren Zeitraum entweder durch eine allmähliche Hörverschlechterung oder z.B. durch einen weiteren Hörsturz taub oder höchstgradig schwerhörig. Sie haben sich häufig durch ihre langjährige Schwerhörigkeit intensiver mit den Kommunikationsproblemen auseinandergesetzt, haben entsprechende soziale Einbindungen in die Schwerhörigen-Welt oder einen darauf ausgerichteten Arbeitsplatz. Unabhängig davon befinden sich alle Ertaubten oder an Taubheit grenzend Schwerhörigen in einer Extremsituation, da sie in der Regel über keine funktionierende Kommunikation mehr verfügen. Durch die Sprache können Sie sich "normal" verständlich machen, aber Sie können nichts oder fast nichts mehr verstehen, was man Ihnen aber weder ansieht noch anhört. Bei manchen Betroffenen stellt eine Cochlear-Implantation (CI) eine Möglichkeit der Kommunikationsverbesserung dar, ist aber technisch nicht bei allen Ertaubten möglich. Ein CI stellt zwar für viele Ertaubte einen großen Fortschritt dar, beseitigt die Kommunikationsbehinderung aber nicht vollständig. Auch nach einer CI-Implantation ist das Hörvermögen eingeschränkt und oft zusätzliches Lippen-Absehen notwendig.

Gebärdensprache wird meist weder vom Betroffenen noch von seinen Familienangehörigen, Freunden oder Arbeitskollegen beherrscht. Häufig ist die einzige Möglichkeit der Kommunikation mit dem Ertaubten über Zettel schriftlich möglich, was jedoch von allen Beteiligten erhebliches Engagement und viel Geduld erfordert. Oft werden die Betroffenen dann nur bruchstückhaft oder gar nicht an Gesprächen und Informationen beteiligt, selbst wenn sie den Einzelnen direkt betreffen. Es resultiert häufig eine Isolation, die alle Bereiche des Lebens einschließt und die Lebensqualität auf ein Minimum reduziert.

Körperliche und seelische Beschwerden

Die folgenden körperlichen und seelischen Beschwerden können neben oder durch die geschilderten Kommunikationsdefizite entstehen

  • ausgeprägte Depression
  • Auftreten erheblicher Ängste
  • quälender chronischer Tinnitus
  • starke Geräuschüberempfindlichkeit (Hyperakusis)
  • körperliche Beschwerden wie starke, anhaltende Kopfschmerzen, orthopädische Probleme besonders im Schulter-Nacken-Bereich, Schwindel, Störungen im Bereich der Sexualität
  • Schlafstörungen, gemindertes Selbstbewusstsein, Leistungseinschränkung
  • Konzentrationsstörungen, Unruhe und Nervosität
  • soziale Anpassungsstörung

Um den speziellen Beschwerden und Belastungen von Ertaubten und an Taubheit grenzend Schwerhörigen gerecht zu werden, wurde ein besonderes Rehabilitationskonzept entwickelt, das wir zu bestimmten Zeitpunkten des Jahres mit einer Gruppe von maximal 12 Patienten durchführen.



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