HELIOS Klinikum Aue

Dysphagiezentrum Erzgebirge


Ca. 8 Mio Deutsche leiden unter Schluckstörungen. Einige Menschen wissen gar nicht, dass sie Probleme mit dem Schlucken haben, da sie die Symptome einer Schluckstörung nicht kennen.
Bei einigen Menschen treten aber überhaupt keine Symptome auf.
Mirko Hiller, Schluckexperte am Auer Klinikum beantwortet uns 4 Fragen zum Thema Dysphagie, dem Fachbegriff für die Schluckstörungen und erläutert uns, was man bei einem konkreten Verdacht tun sollte.


Herr Hiller, was genau muss man sich unter einer Schluckstörung vorstellen und wann kommt es zur Dysphagie?
Bei einer Schluckstörung ist das Schlucken von Speichel und Nahrung, also der Schluckablauf, in irgendeiner Form und unterschiedlicher Ausprägung beeinträchtigt. Der zu schluckende Speichel, die Flüssigkeit oder Nahrung gelangt dann nicht vollständig oder gar nicht über Mund, Rachen und  Speiseröhre in den Magen. Es droht das Verschlucken, also das Eindringen von Substanzen in die Luftröhre und die Lungen, was im Extremfall zu Lungenentzündungen oder zum Ersticken führen kann. Dysphagien kommen bei einer Vielzahl von Erkrankungen vor. Alle Altersgruppen können betroffen sein. Am häufigsten tritt die Schluckstörung jedoch im Alter, als Folge eines Schlaganfalls, einer neurodegenerativen Erkrankung wie beispielsweise Demenz, Parkinson, ALS, Multipler Sklerose, nach Schädel-Hirn-Trauma oder bei Tumoren im Kopf-Hals-Bereich auf. 


Auf welche Symptome muss man da achten?
Menschen mit Schluckstörungen husten oftmals während oder nach dem Essen. Das Essen verbleibt sehr lange im Mund oder läuft auch während der Mahlzeit wieder heraus. Manchmal ist ein starker Gewichtsverlust innerhalb kurzer Zeit ein Indiz. Ständiger Speichelfluss ist ebenfalls ein Zeichen. Auch ständig wiederkehrendes Fieber oder immer wiederkehrende Lungenentzündungen sind ein Hinweis darauf, dass der Schluckablauf gestört ist. Und gerade die chronische Lungenentzündung, der unkontrollierte Speichelfluss und somit die Gefahr der Aspiration oder auch eine Mangelernährung sorgen dafür, dass eine Schluckstörung potentiell lebensbedrohlich ist.


Sie berichten von Patienten, die mit künstlicher Ernährung zu Ihnen kamen und nach der Schlucktherapie wieder normal essen können. Wie kommt das?
Leider bekommen nicht alle Patienten mit Schluckstörungen von Anfang an eine standardisierte Diagnostik und professionelle, gezielte und vor allem wissenschaftlich fundierte Therapie. Veraltetes, lückenhaftes oder sogar fehlendes Wissen über Diagnostik- und Behandlungsmöglichkeiten bei Therapeuten und Medizinern kann ein Grund für eine Stagnation oder den Abbruch der Behandlung und das gehäufte Auftreten von Komplikationen sein.
Die Schluckstörungen nehmen im Medizinstudium oder der medizinisch- therapeutischen Ausbildung  einen viel zu geringen Teil ein. 
Und niemand möchte für den Tod eines Patienten verantwortlich sein, also geht man den sicheren Weg und greift auf die künstliche Ernährung zurück, obwohl vielleicht auch die Ernährung mit einer angepassten Kost möglich wäre.
Bei unserer umfassenden Diagnostik können wir herausbekommen, wo der Patient Störungen des Schluckvorganges hat und wie das Schlucken durch eine hochfrequente, wissenschaftlich fundierte Therapie, die von entsprechend spezialisierten Logopäden durchgeführt werden sollte, unter Umständen wieder sicher möglich wird.  Wenn dies der Fall ist, wird zusammen mit den Logopäden eine Schlucktherapie geplant und durchgeführt – oftmals mit Erfolg.


Was also tun, wenn man den Verdacht hat, man selbst oder ein Angehöriger leide an einer Schluckstörung?
Um eine Schluckstörung sicher festzustellen und sie dann professionell behandeln zu können muss eine standardisierte klinische und bildgebende Diagnostik erfolgen. Leider ist diese flächendeckend in Deutschland nicht verfügbar.
Am Dysphagiezentrum Erzgebirge im HELIOS Klinikum Aue können wir eine ausführliche Diagnostik, beispielsweise mittels Schluck-Röntgen-Untersuchung, Lungenspiegelung (Bronchoskopie) oder (Schluck-) Endoskopie  durchführen und verfügen über spezialisiertes Fachpersonal, das die Ergebnisse nach neuesten wissenschaftlichen Standards auswerten kann. Das Klinikum gehört zum Dysphagienetzwerk Südsachsen, einem Zusammenschluss von Logopäden, Ärzten aus unterschiedlichsten Fachbereichen wie z.B. HNO-Ärzten, Neurologen, Radiologen, Internisten, Allgemeinmedizinern sowie Pflegekräften und weiteren am Rehabilitationsprozess von Schluckgestörten beteiligten Fachdisziplinen. Auch Hilfsmittelversorger und Krankenkassen beteiligen sich mittlerweile im Dysphagienetzwerk an der Optimierung der Versorgung Betroffener. Das gemeinsame  Ziel ist eine optimale Versorgung der Patienten und eine flächendeckende Weiterbildung aller Fachdisziplinen.
Wer den Verdacht hat, an einer Schluckstörung zu leiden, sollte seinen Hausarzt konsultieren, der dann alles Weitere in die Wege leitet. Termine werden durch „DAS DYSPHAGIEZENTRUM“, Kooperationspartner des HELIOS Klinikums Aue, koordiniert.
Die kostenfreie Teilnahme an den  regelmäßig stattfindenden Netzwerktreffen des Dysphagienetzwerks Südsachsen ist Fachkräften und  themenabhängig  auch Betroffenen und deren Angehörigen nach Anmeldung auf der Internetseite oder telefonisch möglich.


Weitere Informationen zum Thema "Dysphagie" finden sich auf den beiden Seiten:

- Das Dysphagiezentrum
- Dysphagienetzwerk Südsachsen

„Das Dysphagiezentrum“

Ihr Ansprechpartner für Beratung, Koordination und Terminvergabe im Zentrum für Diagnostik und Behandlung bei Schluckstörung:

Sabine Böttcher
Telefon: (03733) 4195600



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